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ZDB Frühjahrsumfrage Baukonjunktur: Ergebnisse

Mit Infodienst Ausgabe 06 vom 26. März 2021 (Allgemeines, Ziff. 49) hatten wir unsere Mitgliedsunternehmen gebeten, an der Konjunkturumfrage unseres Zentralverbandes teilzunehmen. Über 1.700 Unternehmen bundesweit haben sich beteiligt, darunter auch einige aus Hamburg. Wir danken den Mitgliedern, die sich beteiligt haben und geben die Ergebnisse bekannt:

Insgesamt melden die Unternehmen eine gute Auftragslage. Die Geschäftserwartungen beurteilen sie hingegen deutlich verhaltener, außerdem wird vermehrt über coronabedingte Lieferschwierigkeiten bei verschiedenen, insbesondere global gehandelten Baumaterialien berichtet.

Von den befragten Unternehmen sind ca. 70 % im Hochbau- und Ausbau tägig, ca. 30 % im Tiefbau. Knapp zwei Drittel der teilnehmenden Unternehmen haben weniger als 20 Beschäftigte. Dies ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil diese Unternehmen in den monatlichen Meldungen des Statistischen Bundesamtes nicht (mehr) erfasst werden. Etwa ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen haben 20 und mehr Beschäftigte.

 Insgesamt wird die Geschäftslage von den Unternehmen als positiv (69,3 %) oder doch zumindest als befriedigend (26,4 %) eingestuft. Weniger als 5 % der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als schlecht. Dabei bewerten mehr als 70 % der im Wohnungsbau tätigen Unternehmen und 60 % der im Ausbau tätigen Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. Die im Wirtschaftsbau und auch im Straßenbau sowie im öffentlichen Hochbau tätigen Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage hingegen nur zu 30 % als gut.

Die Geschäftserwartungen der kommenden Monate fallen hingegen bei vielen Unternehmen deutlich skeptischer aus. Nicht einmal 14 % der Unternehmen erwarten eine weitere Verbesserung der derzeitigen Lage, fast 20 % sehen hingegen eine Verschlechterung der Situation. Zwei Drittel der Unternehmen gehen von einer stabilen Baukonjunktur aus. Dabei blicken die Unternehmen des Wirtschaftsbaus und des öffentlichen Baus tendenziell skeptischer in die kommenden Monate als die Unternehmen des Wohnungs- und Ausbaus.

Mit Blick auf die Auftragslage berichten 65 % der Wohnungsbauunternehmen und 53 % der Hochbauunternehmen von einer guten Auftragslage. Die Reichweite der Order lag im Wohnungsbau bei 21 Wochen und im Ausbau bei 18 Wochen. Die Nachfrage im Wohnungsbau hat unter der Corona-Pandemie offenbar nicht gelitten.

Im öffentlichen Hoch- und Straßenbau bewerten hingegen nur 21 % der Unternehmen ihre Auftragslage als gut. Fast 57 % dieser Unternehmen sehen hingegen ein schwächeres Investitionsverhalten des öffentlichen Auftraggebers. Nur 4 % sehen hier eine Verbesserung. Die Reichweite der Order liegt im öffentlichen Hochbau bei 14 Wochen und im Straßenbau bei 15 Wochen.

Auch im Wirtschaftsbau antworten weniger als 30 % der Unternehmen, dass sie eine gute Auftragslage haben. Die Orderreichweite liegt hier bei 16 Wochen.

Die Geräteauslastung liegt im Hochbau bei 69 %, im Tiefbau bei 67 %. Im Ausbau liegt sie bei 63 %.

Unter den Gründen für Behinderungen der Bautätigkeit stechen zwei Faktoren hervor: Der Fachkräftemangel und Lieferschwierigkeiten beim Material. Während der Fachkräftemangel schon länger beklagt wir, ist die mangelnde Materialverfügbarkeit, insbesondere global gehandelte Rohstoffe wie Stahl- und Erdölprodukte, ein Phänomen der Corona-Pandemie.

Während zwei Drittel der Unternehmen bei den mineralischen Rohstoffen (Sand, Kies, Beton und Zement) noch eine problemlose Verfügbarkeit sehen, sind es bei Stahl nur noch knapp 30 %, bei Kunststoffen 20 % und bei Holz sogar nur 16 % der rückmeldenden Unternehmen. Nahezu die Hälfte aller Anmerkungen, die zur der Umfrage gemacht wurden, entfielen auf die Problematik "Lieferschwierigkeiten beim Material".

Ein weiteres Drittel der Unternehmen sieht die Bautätigkeit durch fehlende Genehmigungen der Ämter ausgebremst. Dabei wird vielfach beklagt, dass die Ämter zu wenig Personal in den Büros haben, und zwar auch bereits vor der Corona-Pandemie

Im Hinblick auf die Umsatzentwicklung erwarten die Betriebe im Wohnungsbau und im Ausbau per Saldo ein Umsatzwachstum in 2021. 30 % gehen von einem zumindest etwas höheren Umsatz aus, gut 20 % der Unternehmen gehen hingegen von geringeren Umsätzen als im Vorjahr aus. Somit rechnet ungefähr die Hälfte der Unternehmen mit einem gleichbleibenden Niveau wie in 2020.

Demgegenüber gehen Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau von einer rückläufigen Umsatzentwicklung aus. Nur 16 % der Unternehmen sehen ein Steigerungspotenzial, 44 % erwarten hingegen Rückgänge. Im öffentlichen Bau sehen nur 13 % der Unternehmen Steigerungen, etwa 60 % rechnen hingegen mit Umsatzrückgängen.

Fast alle Bauunternehmen haben in den letzten drei Monaten Preissteigerungen für eingekaufte Materialien registriert, davon 75 % deutliche Steigerungen, 22 % leichte Steigerungen.

Über die Hälfte der Unternehmen sehen derzeit ein deutlich erhöhtes Preisniveau für Stahl, Bitumen, Kunststoffe und Holz. Nur knapp 50 % der Unternehmen gelingt es, diese gestiegenen Einkaufspreise an ihre Kunden weiterzugeben. Immerhin planen aber gut 60 % der Unternehmen ihre Verkaufspreise in den nächsten Monaten entsprechend anzupassen.

Wie bereits in letzten Jahren wollen die Unternehmen den Beschäftigungsaufbau weiter fortsetzen. Gut 22 % der Unternehmen planen, weiteres Personal einzustellen, hingegen sehen sich nur 6 % veranlasst, Personal abzubauen. 71 % der Unternehmen wollen das Personal auf gleichem Niveau halten. Für 2021 erwartet der ZDB das Erreichen der Marke von 900.000 Beschäftigten. Zudem bilden die Unternehmer deutlich mehr aus. Allerdings gelingt es häufig nicht, alle Ausbildungsplätze zu besetzen, fast die Hälfte der Unternehmen melden hier eine Vakanz.

Bei den Investitionen planen 19 % einen Zuwachs, 18 % geht von einem Rückgang aus. Gut 63 % der Unternehmen wollen ihr Investitionsniveau halten.

In Hamburg haben sich dreizehn Unternehmen an der Umfrage beteiligt. Wir danken all diesen Unternehmen für ihre Beteiligung. Die Ergebnisse in Hamburg spiegeln in vielen Fällen die bundesweiten Ergebnisse wieder. Es gibt jedoch auch einige signifikante Unterschiede: So sehen die befragten Straßenbauunternehmen in Hamburg einhellig eine schlechtere Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten (Frage 5). Allerdings ist die teilnehmende Grundgesamtheit mit nur drei Straßenbauunternehmen relativ klein.

Das Investitionsverhalten der Stadt schätzen 53,8 % der Hamburger Unternehmen als gleichbleibend und 46,2 % der Unternehmen als schlechter ein. Dieses Ergebnis ist für Hamburg besser als der Bundesdurchschnitt, dabei mag sich auch die Tatsache auswirken, dass Hamburg keine Kommunen kennt.

Die Zahl der Unternehmen, die in Hamburg infolge von Corona Kurzarbeit durchgeführt haben, liegt mit 24,1 % knapp doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von 12,4 %.

Die Zahl der Unternehmen, die angeben, ihre Einkaufspreise seien deutlich gestiegen, ist in Hamburg mit 84,6 % noch höher als im Bundesdurchschnitt mit 75,7 %. Kein einziges Unternehmen gibt an, dass die Einkaufspreise gleich geblieben bzw. gesunken sind. Zudem sind 92,3 % der Unternehmen in Hamburg gegenüber 76,5 % der Unternehmen im Bundesdurchschnitt der Meinung, dass die Einkaufspreise auch in den nächsten Monaten weiter steigen werden.

Die Zahl der Unternehmen, denen es gelungen ist, ihre Verkaufspreise in den letzten drei Monaten zu erhöhen, ist mit 33,3 % in Hamburg niedriger als im Bundesdurchschnitt. Immerhin 25 % der Hamburger Unternehmen geben an, ihre Preise in den letzten drei Monaten gesenkt zu haben. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 6,1 %. Auch die Zahl der Unternehmen, die erwarten, ihre Verkaufspreise in den nächsten Monaten erhöhen zu können, ist in Hamburg mit 46,2 % niedriger als im Bundesdurchschnitt mit 61,8 %. Immerhin 15,4 % der Hamburger Unternehmen erwarten, dass sie ihre Verkaufspreise in den nächsten sechs Monaten senken müssen.

Die Zahl der Hamburger Unternehmen, die ihre aktuelle Bautätigkeit durch Lieferschwierigkeiten beim Material behindert sehen, entspricht mit 63,6 % praktisch genau dem Bundestrend. Demgegenüber ist der Arbeitskräftemangel bei Facharbeitern in Hamburg nur bei 45,5 % der Unternehmen ein Grund für Behinderungen, im Bundesschnitt sind es 65,6 %.