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Baukonjunktur August 2022

Die Materialkosten verharren weiter auf historisch hohem Niveau. Die Entwicklung ist dabei ambivalent. In der Herstellung energieintensiver Baustoffe wie Ziegel, Zement, Beton und Vliese zeigen beim Erzeugerpreisindex zum Vorjahr deutlich zweistellige Zuwachsraten. Weitere mineralische Baustoffe wie Kies und Sand hängen sich an diesen Trend an. Demgegenüber geben die Einstandspreise bei den erdölbasierten Stoffen sowie Stahl und Holz weiter nach, sind jedoch weiter weit von den Ausgangsniveaus aus 2019 entfernt.

Die Materialkostenentwicklung ist wesentlicher Treiber der Preisentwicklung für Bauleistungen. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes liegen die Preise für Bauleistungen im August im Wohnungsbau um gut 16,5 %, für Büro- und Betriebsgebäude um ca. 18 % und im Straßenbau um 18,5 % über den Werten des Vorjahres.

In den einzelnen Bausparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab:

Bis August wurden nahezu 245.000 Genehmigungen zum Wohnungsbau erteilt. Das waren 6.659 WE weniger als im Vorjahreszeitraum (-2,7 %). Das Delta ist maßgeblich auf den Einfamilienhausbau (EFH) zurückzuführen. Hier schlägt ein Minus von ca. 10.300 WE zu Buche. Dabei ist ein Basiseffekt zu berücksichtigen: Bis zum März 2021 konnte Baukindergeld beantragt werden. Dies wurde seinerzeit deutlich in Anspruch genommen. Daneben schlagen sich die beschriebenen verschlechterten Rahmenbedingungen nieder. Im Bereich Ein- und Zweifamilienhäuser wurden bis August gut 76.400 WE genehmigt. Im Bereich der Mehrfamilienhäuser (MFH) sind bis August für ca. 131.000 WE Genehmigungen erteilt worden, ein Plus von ca. 7.100 WE (+5,7 %). Der Zuwachs stammt aus den Monaten Januar bis April. Seither stagniert die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr. Im August war ein Rückgang um 3,8% zum Vorjahreswert zu verzeichnen. Der Umsatz im Wohnungsbau erreichte in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten ca. 17,3 Mrd. Euro, nominal ein Plus von knapp 15 %, real ein Verlust von knapp 1 %.

Offensichtlich kommen Baugenehmigungen auch nicht mehr wie bisher zur Auftragserteilung. Seit April gehen die Order im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Bereits in den Monaten April bis Juli mussten die Bauunternehmen jeweils reale Rückgänge zwischen 13 % und

21 % hinnehmen. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes waren es im August nun ca. -24 %. Kumulativ fehlen damit real schon ca. 11 % zum Vorjahr. Diese Entwicklung lässt in den kommenden Monaten eine nachlassende Umsatzentwicklung erwarten. Der Wohnungsbau kann offensichtlich keine Stützfunktion der Baukonjunktur mehr wahrnehmen. Es zeigt sich immer deutlicher, dass der politische Anspruch, im Jahr 400.000 Wohnungen zu errichten, nicht aufgehen wird. Der Wohnungsbau braucht jetzt dringend die avisierte Gaspreisbremse. Der Druck der Materialpreisentwicklung auf die Baupreise muss reduziert werden. Daher ist die Baustoffindustrie schnellstmöglich auf die Entlastungen angewiesen.

Im Wirtschaftsbau wurden bis zum August ca. 27,4 Mrd. Euro umgesetzt (+11 %), davon 15,8 Mrd. Euro im Hochbau (+10 %) und 11,6 Mrd. Euro im Tiefbau (+12,3 %). Im Bereich des Wirtschaftshochbaus setzt sich eine ambivalente Nachfrageentwicklung fort. Während die Nachfrage, bemessen nach Baukosten, - die von der Preisentwicklung getrieben wird -noch weitgehend positive Vorzeichen trägt, fällt die Bemessung nach umbauten Raum

deutlich differenzierter aus: Die Nachfrage nach Lagergebäuden bleibt aufwärtsgerichtet. Während in der Corona-Pandemie der Online-Handel hier Treiber war, ist es nun die Lagervorhaltung zur Pufferung der Materialengpässe. Bei Handel und Gastronomie schlagen noch Nachholeffekte durch. Bei Büro- und Fabrikgebäuden zeigt sich schon eine nachlassende Investitionsneigung.

Im Wirtschaftshochbau liegen die Order bei 15,8 Mrd. Euro ein nominaler Zuwachs von 6%, real ein Rückgang um ca. 7%. Im Tiefbau erreichen die Order ca. 12,7 Mrd. Euro, nominal ein Zuwachs von ca. 23 %, real immerhin ein Zuwachs von ca. 4%. Offensichtlich treiben die Investitionen der Deutschen Bahn, aber auch der Breitbandausbau den gewerblichen Tiefbau an.

Im öffentlichen Bau wurden bis zum August ca. 21 Mrd. Euro umgesetzt; (+9,6 %), davon 4 Mrd. Euro im Hochbau; (+5,6 %) und 17 Mrd. Euro im Tiefbau; (+10,6 %), davon 9,4 Mrd. Euro im Straßenbau; (+12%) und 7,5 Mrd. Euro im sonstigen Tiefbau; (+8,6%). Auch die 

Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau ist deutlich preisgetrieben. So liegt der reale Wert der Umsatzentwicklung beim Straßenbau per August bei -2 %.

Wichtig im derzeitigen Umfeld ist, dass die öffentliche Hand, vom Bund bis zu den Kommunen, ihre Investitionsplanungen weiter umsetzen. Allerdings deuten die Daten zur Orderentwicklung an, dass die geplanten Budgets nicht ausreichen werden, angesichts der Preisentwicklung für Bauleistungen, die geplanten Projekte in vollem Umfang zu realisieren. So sind im Straßenbau bis August Order im Umfang von 10,7 Mrd. Euro eingegangen, was einem nominalen Zuwachs um knapp 8 %, real aber einem Rückgang von ca. 5 % entspricht.

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes halten die Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten weiter einen Beschäftigtenzuwachs um knapp 2 %. Jahresdurchschnittlich sind per August in diesen Unternehmen ca. 525.000 Personen beschäftigt, ca. 9.200 mehr als vor Jahresfrist.